Pierluigi Billone
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Equilibrio. Cerchio

(2014)

für Violine
Auftragswerk des Südwestrundfunks


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Pierluigi Billone


Es handelt sich um eine Violine deren Saiten und Skordatur anders als normal sind.
Es werden drei IV Saiten und eine III Saite benutzt, mit einer Skordatur E, F, G, D, in einem sehr engen Bereich.

Die Manipulation der linken Hand ist ungewöhnlich: jeder Finger agiert fast immer gleichzeitig auf zwei Saiten, deshalb der einfachste Klang ist schon ein Zweiklang, mit innerlichen Schwebungen.

Die Bogentechnik ist dieselbe der modernen Violine und Bratsche, mit all ihrem Reichtum an Möglichkeiten.

Die typischen Artikulationsgeschwindigkeit und das extreme und oberflächliche Virtuosentum der (alten und modernen) Violine werden hier ausgeschlossen.

Alles ist vorbereitet um das zu ermöglichen, eine andere “musikalische Stimme” der Violine und andere Konstruktionsmöglichkeiten.

Die kontinuierlichen Schwingungen, der Einsatz von Glissandi, die konstante und langsame Oszillation, die Artikulationen der linken Hand auf den gleichen Polen, oder der harte und gewaltige Ansatz, erinnern an den Klang von einigen Werken Giacinto Scelsis und Iannis Xenakis, und auch von manch außereuropäischer Musik.

Die Konstruktion der Arbeit und das gesamte Relationsspiel funktionieren aber anders.

Es gibt zwei klanglichen Kräfte, die elementar und komplementär sind: erstens der kontinuierliche und schwingende Klang, und zweitens ein gewaltiges, blitzschnelles Pizzicato der vier Saiten zusammen. Die Entwicklung jeder einzelner Kraft und die Änderung ihrer Beziehungen generieren die verschiedenen Momente des Werkes.

Der kontinuierliche und schwingende Klang – eine Art instabile Kraft ohne Schwerpunkte – wird die Dimensionen, das geschlossene Profil und das Gleichgewicht eines Verses bekommen.

Das gewaltiges und blitzschnelles Pizzicato – eine Art konzentrierte, einförmige und geschlossene Kraft – wird die Flexibilität und die Instabilität annehmen, um moduliert werden können.

Es ist in der Tat ein Kreis (das Ende des Stückes endet wieder in einem Moment des Beginns), in dem das Gleichgewicht der zwei Kräfte ständig ändert, innerhalb einer gewissen Grenze.